Quan Dao Newsletter<< zurück zur Quan Dao Website

 » Übersicht
  » Archiv 2010
 » Archiv 2009
 » Archiv 2008
 » Archiv 2007
 » Newsletter 12/2006
 » Newsletter 11/2006
 » Newsletter 10/2006
 » Newsletter 09/2006
 » Newsletter 08/2006
  
  
 Quan Dao Newsletter 09/2006
 ÜBERBLICK
 » MEDITATION IM QUAN DAO KUNG FU
» AUF DEM WEG ZUR QUELLE
» QUAN DAO ZUR STEIGERUNG DER FÄHIGKEIT, IM TEAM ZU ARBEITEN
» REZENSION: "DAS GEDÄCHTNIS DES KÖRPERS", JOACHIM BAUER
» NEUE GRUPPE: GRUNDÜBUNGEN DER KRAFT
» QUAN DAO EVENTS



 MEDITATION IM QUAN DAO KUNG FU
 von Gabriele Busmann, III. Dan Quan Dao

Als Boddhidharma, ein buddhistischer Mönch aus Indien, im 6. Jhd. in China ankam und dort jahrelang in völliger Abgeschiedenheit auf der Suche nach spiritueller Erleuchtung meditierte, entdeckte er die Notwendigkeit, nicht nur den Geist, sondern auch den Körper durch Übungen zu stärken. Er entwickelte ein System von Übungen und Bewegungsabläufen, zu denen z.B. die Qi Kung Übungen gehören, das die Grundlage des Shaolin Kung Fu und aller späteren Kampfkunstschulen bildet.

In dieser Tradition ist es das höchste Ziel der Kampfkünste, eine Kunst des Friedens zu sein und durch Schulung von Körper und Geist einen harmonischen Einklang zu erlangen.Auf der Suche nach Frieden und innerer Ruhe zeigt das Quan Dao Kung Fu einen Weg, auf dem wir üben können, auch in schwierigen Lebenssituationen Ruhe und Gelassenheit zu bewahren und inneren Frieden zu finden.

In den traditionellen chinesischen Philosophien des Taoismus und Konfuzianismus wird seit jeher eine enge Verbindung von Körper und Geist gesehen.Die Wechselwirkungen von Körper und Geist werden im Quan Dao durch die Arbeit an verschiedenen Formen und Übungen erfahren. Dazu gehört Atem- und Energiearbeit, Körperübungen, Kampf- und Bewegungsdialog, Formenarbeit und die Meditation.

Zur Kampfkunst gehört untrennbar die Fähigkeit zur Sammlung, Konzentration und Zentrierung. Um diese Fähigkeit ausbauen zu können, muss ich beständig üben. Deshalb werden die Kampfkünste als Weg bezeichnet.Die meditative Bewegung und die sitzende Meditation ist in den Kampfkünsten ein Weg, um zur  Ruhe und Stille zu finden, achtsam und präsent im Augenblick zu sein, mir und anderen mit Offenheit und Anfängergeist zu begegnen und um die Absicht zu schärfen. Meditation kann laut Lexikon viele Bedeutungen haben: Kontemplation, Sammlung, Konzentration, Zentrierung, Öffnung und im religiösen Sinne auch Hinwendung zu Gott und Hingabe.

In der Meditation und in der meditativen Bewegung ist der Atem das Bindeglied zwischen Körper und Geist. Interessanterweise wird in der Schöpfungsgeschichte der Bibel der Odem Gottes, also sein Atem, den Menschen eingehaucht und erweckt sie zum Leben. Der Odem, Atem steht also auch dort für den Geist. Die “passive“ Bewegung des Atems vollzieht sich ohne mein bewusstes Zutun mein ganzes Leben lang. Und mein Atem begleitet mich vom ersten bis zum letzten Atemzug.

Der Atem ist in der Meditation einerseits das Objekt der Aufmerksamkeit und andererseits auch die Verbindung zwischen körperlicher und geistiger Bewegung. Im Alltag folgt der Atem im allgemeinen dem Rhythmus der Bewegung, was man besonders bei intensiver sportlicher Betätigung beobachten kann. In der meditativen Bewegung folgt die Bewegung eher dem Atem und passt sich dem Rhythmus des Atems an.

In der meditativen Bewegung schwingen sich Körper und Geist durch die gleiche Aufmerksamkeitsrichtung aufeinander ein und können in der Konzentration auf die Bewegung miteinander in Einklang kommen. Indem Körper und Geist dem Atem folgen, entsteht eine Konzentration auf das Tun und damit auf den gegenwärtigen Moment.

Meditation im Sinne von Achtsamkeit beim Ein- und Ausatmen, lässt sich an jedem Ort und zu nahezu jeder Zeit praktizieren. Beispielsweise kannst Du bei Dir selbst feststellen, dass Du schon durch das Aneinanderlegen der Handflächen  Deine Aufmerksamkeit und Achtsamkeit erhöhst. Indem ich meine Hände zusammenführe, sie in die Mitte und zur Ruhe bringe, zentriere ich mich. Gleichzeitig kann ich durch die Zentrierung der Aufmerksamkeit Körper und Geist in Einklang bringen.

Wenn Du möchtest, kannst Du jetzt das Lesen dieses Textes für eine kurze, einfache Übung unterbrechen, um Meditation zu üben:

Setze Dich aufrecht hin. Lege die rechte Faust in die linke offene Hand.

Konzentriere Dich auf Deinen Atem.

Beobachte wie Dein Atem ein und ausfließt.

Bleibe mit Deiner Aufmerksamkeit bei Deinem Atem. Wenn zwischendurch Deine Gedanken abschweifen, komme immer wieder zurück zum Atem. Beobachte, wie die Luft beim Einatmen von außen durch Deine Nase in Deinen Körper einfließt und beim Ausatmen dann wieder von innen aus dem Bauch über die Brust durch die Luftröhre und Nase heraus fließt.

Generell lässt sich sagen, dass sich der meditative Aspekt des Quan Dao Kung Fu darin zeigt, dass Atem und Bewegung auf natürliche Weise miteinander verbunden sind. Die verschiedenen Atemmeditationen im Quan Dao verfolgen das Ziel, jeden einzelnen Schritt einer Bewegung mit Achtsamkeit auszuführen und sich so der Bewegung ganz hinzugeben, mit ihr „eins zu werden“.

Mit Hilfe der 5 Atemmeditationen sowie meditativen Bewegungen wie z.B. den Grundübungen der Kraft und der Herzmeditation beobachten wir den eigenen Atem und die Verbindung von Atem und Bewegung. Dadurch machen wir uns unseren Atem zum Freund, können eigene Atemmuster zunehmend besser verstehen sowie den Atem in Einklang mit unseren Bewegungen bringen.

Die Hauptrichtung für das Üben ist das Sinken des Atems zum unteren Zentrum, dem unteren Dan Tien. Das Sinken des Atems nach unten hat zudem eine positive gesundheitliche Wirkung und führt zu einer vermehrten Ladung des Körpers mit Qi, der Lebensenergie. Somit ist der Atem ist auch eine Brücke zur Qi-Energiebewegung durch den Körper. Wir können die Qi-Energie durch unsere Vorstellung bewegen. Durch das Sinken des Atems und durch das Sinken des Geistes zur Mitte entsteht Zentrierung. Der Atem wirkt auf den Geist, der Geist wirkt auf den Atem.

Zum Abschluss möchte ich Euch eine alte buddhistische Weisheit mit auf den (meditativen) Weg geben:

 „Dein Atem ist Dein bester Freund, wende Dich in allen Sorgen und Nöten an Ihn und Du wirst Trost und Führung finden.“

Zur Autorin:

Gabriele Busmann, 3. Dan Quan Dao, Jahrgang 1961, Dipl. Sozialpädagogin, seit 1996 als Projektleiterin und Fortbildnerin im pädagogischen Bereich tätig. Sie unterrichtet seit 2002 als Quan Dao Lehrerin Erwachsene und Jugendliche und führt u.a. Fortbildungen zum Thema "Umgang mit Gewalt und Aggressionen / Deeskalationstraining" durch.

» zurück zum Anfang


 AUF DEM WEG ZUR QUELLE
 von Jens Leveringhaus, 4.Grad Quan Dao

Wenn unsere Herzen offen sind, haben wir Geduld mit uns selbst. Überkommt uns plötzlich Ungeduld, dann ist das wieder ein Zeichen, dass Kindheitsgefühle unseren Blick trüben. Als Erwachsene haben wir gelernt, dass wir Geduld haben müssen, bis unsere Wünsche in Erfüllung gehen. Geduld ist eine Kunst und ein Zeichen von Reife.

Ungeduldig sein heißt, die Dinge nicht mehr realistisch zu sehen und mehr zu verlangen, als möglich ist. Anstatt sich über Fortschritte zu freuen, sind wir frustriert, dass alles nicht schnell genug passiert. Der Mensch mit all seinen physischen, emotionalen, geistigen und seelischen Bedürfnissen ist ein unglaublich kompliziertes Wesen. Wenn wir auf einer oder gar mehreren Ebenen Frustrationen erleben, kann das unsere ganze Persönlichkeit erschüttern.

Mit jedem Rückschlag vergessen wir unsere Fortschritte wieder. Anstatt zu resignieren oder immer mehr von uns zu verlangen, sollten wir uns darauf konzentrieren die eigene Einstellung zu ändern: Öffnet Eure Herzen!

Aber wie geht das? Wie öffnet man sein Herz für sich und andere?

Das hat nicht nur mit der Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit, sondern insbesondere auch mit der Beziehung zu anderen zu tun. Eine echte Beziehung entsteht aus dem Wissen und Akzeptieren unserer Unterschiede. Von dieser hohen Warte des Verständnisses aus sind wir auch in der Lage, zu erkennen, worin wir uns gleichen. Aus der Erkenntnis dessen, worin wir uns gleichen, erwachsen positive Einstellungen wie Verständnis, Einfühlungsvermögen und Toleranz. Aus der Erkenntnis unserer Unterschiede erwachsen gegenseitige Wertschätzung, Interesse und Respekt.

In dem Maße, wie wir aus tiefstem Herzen empfundenes, ehrliches Verständnis für einander entwickeln, verlieren wir unsere Vorurteile, die uns voneinander trennen. Wir sehen, dass nicht unsere Unterschiede uns trennen, sondern Vorurteile über diese Unterschiede.

Darüber hinaus erfordert Quan Dao Kung Fu Talent, Ausbildung und Übung. Je mehr Wissen, Ausbildung und Erfahrung wir erworben haben, desto größer sind unsere Chancen auf dem Weg zur Quelle. Um eine Fähigkeit zu meistern, brauchen wir diese drei Dinge gleichermaßen.

» zurück zum Anfang


 QUAN DAO ZUR STEIGERUNG DER FÄHIGKEIT, IM TEAM ZU ARBEITEN
 von Barbara Kotte, I. Dan Quan Dao

Was machen die denn da? Neugier und Skepsis waren in gleichem Maße zu spüren. Professoren blieben in sicherem Abstand als Beobachter stehen, jugendliche Passanten wollten gleich mitmachen und das Polizeischiff auf dem Main reduzierte die Geschwindigkeit. Und das alles nur, weil 10 Studenten der Hochschule für Gestaltung Offenbach und ich auf einer Wiese am Mainufer den Tag mit den Grundübungen der Kraft, Dialogarbeit und Schlag-Block-Techniken begannen.

Das morgendliche Quan Dao Training war Teil eines Seminars, in dem es auch um die schnelle Entwicklung und Umsetzung von Ideen ging. Und zwar im Team. Jeweils drei Tage standen den Studierenden der Studiengänge Freie Grafik und Angewandte Grafik zur Verfügung, um Plakatkampagnen für Werder Ketchup, den Tagesspiegel und eine Quan Dao Schule zu entwickeln. Das Seminar diente zur Vorbereitung auf die Teilnahme am Junior Agency Programm, einem nationalen Wettbewerb, bei dem Studententeams zusammen mit Werbeagenturen an realen Projekten arbeiten. Die Ergebnisse werden jedes Semester von einer Jury bewertet und die besten Arbeiten prämiert.

Schon beim zweiten Blockseminar an der HfG Offenbach war die Skepsis – zumindest an der Hochschule – gewichen. Denn alle bekamen mit, dass die Studierenden in diesem Seminar außergewöhnlich viel Spaß haben und in dem Seminarraum jeden Abend sehr lange das Licht brannte. Wie ungewöhnlich das ist, zeigte mir die Reaktion eines anderen Professors, der sagte, dass er noch nie an der Hochschule erlebt habe, dass ein Studententeam so lange, so konzentriert und so konstruktiv miteinander arbeitet.

An der Hochschule für Gestaltung Offenbach ist es nicht üblich in größeren Gruppen zusammenzuarbeiten. Dabei ist Teamarbeit in der Praxis nicht wegzudenken. Dort gibt es jedoch im Vergleich zu den Studententeams eine enorme Erleichterung: Es gibt in Werbeagenturen und Designbüros Hierarchien, die die Entscheidungsfindung im Team erleichtert. Bei Studententeams sind alle gleichberechtigt und müssen untereinander einen Konsens finden. Und der sollte natürlich nicht der kleinste gemeinsame Nenner sein. Eine weitere Schwierigkeit bei Studententeams ist, dass sie nicht miteinander eingespielt sind und die einzelnen sich untereinander zum Teil nur vom Sehen kennen.

Quan Dao hat den Studenten geholfen, einige der Hürden der Teamarbeit leichter zu nehmen und Barrieren abzubauen. Auf die Frage, ob Quan Dao Ihnen die Arbeit erleichtert habe, gaben nach dem Schulnotensystem 67% der Seminarteilnehmer die Note „sehr gut“ und 22% die Note „gut“. Noch besser waren die Einschätzungen auf die Frage, ob Quan Dao die Teamfähigkeit positiv beeinflusst habe. Abermals 67% gaben ein „sehr gut“ und 33% die Note „gut“. Dass Quan Dao den Umgang untereinander erleichtert, schätzen 33% mit „sehr gut“ ein und 44% mit „gut“. Die schlechteste Note in allen Bewertungsfragen war ein „befriedigend“.

Beim Verbalisieren der Auswirkungen von Quan Dao auf die Zusammenarbeit formulierten die Seminarteilnehmer, dass das Training geholfen habe, lockerer miteinander umzugehen und man sich mit mehr Respekt begegnete, weil man sich in einer anderen Situation als dem direkten Hochschulkontext kennen gelernt hat. Weitere Aussagen: Man hat schneller einen gemeinsamen Nenner gefunden, es ist ein Gemeinsamkeitsgefühl entstanden, es hat Spaß gemacht und die Motivation gesteigert. Besonders positiv überrascht hat mich die Intensität, die in den folgenden Aussagen der Studierenden zu spüren ist: Quan Dao hat geholfen, Berührungsängste kennen zu lernen und sie deshalb leichter zu überwinden, den Geist und Körper zu lockern, geistige Nähe durch körperliche Nähe zu schaffen und Kreativität zu fördern.

Wirklich messbar warder Erfolg des Seminars auch an anderer Stelle: Die Teilnehmer des Seminars haben beim Wettbewerb des Junior Agency Programms im darauffolgenden Semester den 1.Platz belegt.



» zurück zum Anfang


 REZENSION: "DAS GEDÄCHTNIS DES KÖRPERS", JOACHIM BAUER
 Wie Beziehungen und Lebenstile unsere Gene steuern

von Michael Schmidt, Quan Dao Meister

Joachim Bauer war nach Medizinstudium in der molekularbiologischen Forschung tätig und arbeitet heute als Internist und Psychiater und Facharzt für Psychosomatische Medizin am Universitätsklinikum Freiburg wo er als Oberarzt und Professor in der Abteilung für Psychosomatische Medizin tätig ist. Im Zentrum des Buches steht die Erkenntnis, dass die Regulation nunserer Genaktivität in hohem Maße situativen Einfl?ssen unterliegt und nicht überwiegend vererbt wird. Wir wirken durch die Gestaltung unserer Beziehungswelt entscheidend daran mit, was sich biologisch in uns abspielt. Ausgehend von diesen neuen Ergebnissen der Neurobiologie zeigt Bauer, dass Gene in ständigem Austausch mit unserer Umwelt stehen und damit auf Stress und chronische Überforderungen reagieren. Bauer stellt den Forschungsstand über Stress, Neuroplastizität und Psychophysiologie der Transmitter in unserem Gehirn am Beispiel von Stressregulation und Depression dar. Er geht auf Schmerzverarbeitung, Traumaverarbeitung und Burnout näher ein und zeigt die Implikationen der Körpergedächnisforschung für die Psychotherapie dar. Ein sehr empfehlenswertes Buch über die Welt der Gene und die Fähigkeiten des Körpers auf unsere Lebenseinstellung zu reagieren. Für jeden in einfacher illustraiver Sprache ein gutes Buch um auf den Forschungsstand zu kommen. Viele Beziehungen ergeben sich zu Ansätzen der chinesischen Medizin und des Ayurveda, vorallem wird die Bedeutung von Bewegung auf der inneren und äußeren Ebene für den ganzen Menschen deutlich.

» zurück zum Anfang


 NEUE GRUPPE: GRUNDÜBUNGEN DER KRAFT
 ab 12. September in Hamburg
Dienstags von 10 - 11 Uhr im Frauenkulturhaus Harburg e.V., Neue Straße 59, 21073 Hamburg.

Weitere Gruppe in Marxen

Info und Anmeldung: 0 41 85 / 65 00 64

» zurück zum Anfang


 K