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Quan Dao Schwarzgurt-Gürtelprüfung Samstag 12.05.2007 in Oberurff Live-Reportage
des 7-stündigen Ereignisses Aufgezeichnet von Ellen Klausch (Zuschauerin aus
Berlin)
12:30
h - zunächst kommen die Berliner an, allmählich trudeln dann auch alle anderen
in Oberurff ein. Sonnenschein! Aufgeregte, gute Stimmung. Lachen, Umarmungen,
Wiedersehensfreude, Verbundenheit. Die Halle wird geöffnet und inspiziert: Der
Boden wird mit Blick auf die bevorstehenden Rollen als weicher eingestuft als
der harte Holzfußboden im Dojo in Berlin, an den vielen farbigen Linien kann man
sich gut ausrichten. Soundcheck für die Klangschale, der Sonneneinfallswinkel
wird berechnet - wo sollen die Prüfer sitzen, damit sie auch gut beobachten können?
Aufbau. Erste Blitzlichter zucken. Der große Sommercamp-Tiger wird entrollt -
roaarrrr! Salbei wird entzündet, entfaltet seinen belebenden Duft - herbei ihr
guten Geister! Die Luft ist rein! Das Catering trifft ein - sollte man schon mal
eine Flasche Schampus öffnen? Die Spannung steigt, Zuschauer platzieren sich.
Die Braungurte beginnen mit dem Aufwärmen: Grätschen, Tippeln, Stretchen, ein
paar Faustschläge in die Luft, kleinere Fachdiskussionen und Schwätzchen zwischendurch,
machen die Knie auch mit? Henry legt die acht schwarzen, noch ordentlich verschnürten
Gürtel auf einen kleinen "Altar" - das achtfache Objekt der Begierde. Die Prüflinge
postieren die Devotionalien für ihre Krafttiere, die sie die Prüfung über begleiten
sollen: Das Foto einer Schlange, ein kleiner Tonigel vor einem Bärenbildnis, Speckmäuse
für die Eule, Sand vom Ameisenlöwen. KLÖÖÖÖÖNG
- Stille... - jetzt geht es los! Meister Michael spricht feierlich ein paar Begrüßungsworte,
stimmt auf das Kommende ein. Jörg, Julius, Merlin, Sebastian, Lutz, Jan, Adrian
und Jeanette stellen sich vor. Michael erläutert: Schwarz steht für Erde, Weg
des Kriegers, man "kriegt" etwas, bewegt seinen Körper entsprechend, die Erfahrung
daraus ist der Weg..., der Schwarzgurt ist ein Anfang, eine Tür, keiner ist danach
fertig, sondern auf dem Weg. Kriegeraufgabe: Mich zu bewegen. Meisteraufgabe:
Bewegt zu sein. Michael stellt nun die Aufgaben. Mit den Grundübungen der Kraft
beginnt es. Wie unterschiedlich dabei jeder der Bewegung seine Prägung gibt, bei
jedem ein winzig anderer Charakter und doch alle wie aus einem Holz. Dialogarbeit
mit Partner - Sanfter Tanz wechselt in dynamisches Einander-Rühren, Eleganz und
Kraft, Füße gleiten über den Hallenboden, Sprünge folgen Ausfallschritten, gekreuztes
In-die-Knie-Gehen, immer im Respekt vor dem anderen. Verwirrrung beim Bilden einer
Vierer-Formation..., Schmunzeln. Michael - ein Fels in der Brandung. Rechte und
linke Kreise - kraftvolle Tritte und Bewegungen folgen. Nun mit Langstock. Der
ausgestoßene
Atem zerschneidet die gespannte Stille. Auf den Stirnen beginnt Schweiß zu glänzen,
feuchte Locken ringeln sich, das Keuchen nimmt zu, die Anstrengung ist sichtbar,
immer mehr gleichen die KandidatInnen den KriegerInnen, als die sie gefordert
werden. Der Gesichtsausdruck verändert sich völlig, wird gespannter Teil des Ganzen.
Ein Kurzstock fliegt weg - der weißbejackte Jan fliegt rollend hinterher und springt
filmreif mit einem "yaah!" zurück in seine Position.
Lachende Lust blitzt auf. Leise, ruhige Anweisungen, gefolgt von beunruhigten
Nachfragen: Rechte oder linke Hand? So `rum oder anders ´rum? Wo ist vorne? Die
erste Jacke wird am Rücken dunkelblau - vom Schweiß durchtränkt. Dem Kurzstock-Dialog
folgen Übungsreihen in Formation: die sechsten Zwölf. Wild und kraftvoll, immer
kriegerischer wirken die Gesichter. Abwechselnd muss eine/r die Führung übernehmen.
Auf Sebastians Frage zu den Kicks: "Im Stehen oder Laufen?" kommt Michaels
Antwort: "Im Sitzen." Die Erheiterung ob des Ungewöhnlichen lockert die Stimmung
und schafft innere Gelöstheit. Weiter strengt sich jede/r enorm an - es geht um
etwas, das Ziel hat Kraft. Fix-Sparring - Team und Zusammenspiel kommen zum Tragen.
Auf Aufforderung gibt´s schließlich auch Töne - Angriffsschreie, hooh, tschu,
ziss, huss, huaah! Kreisangriff - alle auf einen - hepp, zepp, huaah! In der Pause
Energie schöpfen, Wasser mit Pülverchen, ein kleiner Bissen, aber mehr Durst stillen.
Plaudern, Quiche und Saft, auch für die Gäste, und dann weiter. Tiger, Schlange,
Drachen, Bär, Kranich, Affe, Flussadler - die Tierwelt gibt sich die Klinke in
die Hand, synchrone Ensemble-Formation. Jans Affenhelm, respektive Kopftuch, wird
beim Laufen der Affenform "weggesprengt" - kleine symbolische Einlage mit Bezug
zur Legende um den indischen Affengott, erläutert Michael. Die Affen vergessen
das schelmische Lächeln nicht, die Schlangen zischen giftig, die Tiger zeigen
Kraft-Strotz, die Bären sind erstaunlich behände. Beim zweiten Durchgang zeigen
die Affen verschlagene Gerissenheit, sie wollen nicht spielen, sondern das Feld
klar machen. Dann zu viert die Langform der Schlange, Jörg, Jan, Sebastian und
Julius - wir bekommen Krieger und Tänzer zu sehen. Danach Adrian, Lutz, Jeanette
und Merlin. Wilde Blicke schießen ins Publikum - da möchte man nicht Kaninchen
sein! Es folgen weitere Langformen. Die KandidatInnen bestechen durch Ausdruckskraft
und mit Schlagvermögen gepaarte Eleganz. Manche Gesichtsfarbe wechselt von Hellrosa
über Knallrot zu fahler, leicht wächserner Blässe, die Erschöpfung ist sichtbar.
Die Prüfung geht in die vierte Stunde. Auch beim Publikum macht sich Ermattung
breit, Sitzpositionen werden gewechselt, Pobacken gerieben. Gehörgänge können
Aufforderungen nicht mehr sicher durchlassen, kleine Missverständnisse. In den
Köpfen der KämpferInnen muss
wohl das Blut in Springflutqualität rauschen und dämpft die Außenwahrnehmung.
Die Konzentration lässt nach - ein Königreich für ein Dextroenergen! Führen und
Geführt-Werden, eine Gruppe aus allen schmieden..., das sind keine leichten Aufgaben.
Nun kommen die Einzelpräsentationen. Merlin gibt den Tiger - pfeilhafte Dynamik
- und zückt danach auch Pfeil und Bogen als seine gewählte Waffe. Es folgen Jörg
mit seiner Hellebarde, Adrian mit dem Schwert, Jan mit einem Säbel - tschu!, Julius
sammelt sich noch einen Moment und zückt dann ebenfalls ein Schwert - haah! Die
Choreographien der Kämpfer sind beeindruckend. Jeanette folgt - die einzige Lady
im Bunde - mit einem roten Fächer! Kräftige Watschen lassen sich damit austeilen,
wie man sieht. Interessante Geräusche beim Auseinanderfächern, interessante Angriffsgesten,
der Gegner wird sich wundern! Sebastian hat ein Nunchako dabei. Huaaah - jeder
Schmiss sitzt, kein Wackeln und kein Zaudern. Lutz greift zu ungewöhnlicher Waffe:
eine Leiter. Allgemeines Kichern. Die Leiter entstammt der akrobatischen Zirkusarbeit
mit Kindern, hoch schwingt er sie im Kreis über dem Kopf - mit Elan den Platz
der Halle für den riesigen Radius nutzend. Flussübung zu zweit, da kann man schon
mal die Lider senken und ein wenig regenerieren... - " seid ihr Kaffee trinken
gegangen, oder was?",
werden die Prüfer von Prüflingsseite keck gefragt, als es sich zieht - die Stimmung
ist gelöster nach Absolvieren der Einzelpräsentationen. Jetzt stehen noch das
Sparring und der Bruchtest als Highlights aus. Inzwischen ist es in die fünfte
Stunde gegangen, wow, was für eine Kondition die acht haben... . Sparring. Jeanette
und Sebastian lächeln sich viel an - wo bleibt der Fächer? Sebastian und Julius,
blond und braun auf Augenhöhe. Jörg dazu, mit Julius gegen Sebastian - Stress
pur, Ausbüchsen von der Matte wird angezählt! Sebastian hechtet geschickt per
Rolle aus dem Schlamassel. Julius und Jörg - es hagelt Tritte! Lutz und Adrian
- Adrians blutende Nase zwingt schnell zur Pause. Jan und Merlin - kleine Tsunamiwellen,
Klammern, Kloppen, Fallen, Brille adé! Drohgebärden, Schreiten, Tänzeln, Trampeln
- hier ist ` was
los! Lutz und Merlin gegen Jan - Schwitzkasten! Lutz und Adrian Teil 2, jetzt
glimpfllicher. Adrian, Merlin und Jörg gegen Lutz - ein Draufstürzgemetzel! Jeanette
und Merlin - gerne werden Füße, Handgelenke oder Jackenteile gehalten. Nun Jan
gegen fünf Gegner. Jan tanzt den Derwisch - aber wie! Auch wenn ihn die anderen
nach knapp 20 Sekunden überwältigen: Wacker gehalten! Vor dem Bruchtest die Atemmeditation.
In Megazeitlupe verdichten die Prüflinge ihre Qi-Energie. Konzentration, "Focusing",
Kräfte sammeln... . Bruchtest. Adrian beginnt - jaaah! Neun der zehn Ziegel sind
durch, oder gar alle zehn? Jörg - jaaah! Lutz - hooh! Merlin - doh! Jan - doh!
Sebastian - hooh! Julius - jaah! Für Jeanette muss noch schnell eine Extra-Runde
aufgebaut werden, da nicht genügend Hölzchen für acht Ziegelstapel vorhanden waren
- ieeh! Einige KriegerInnen schauen ein bisschen enttäuscht drein - sechs, sieben
oder mehr Ziegel sind heile geblieben. Diese wettergegerbten, überstabilen Dachziegel
mit Mörtelresten haben es aber auch schwer in sich. Aber es soll ja vor allem
eine geistige Übung sein... Nach
einer längeren Pause schickt Michael wie ein Indianer einen Siegesschrei in die
Halle und ruft so zur Schwarzgurtverleihung. Wie sich die KriegerInnen bewegt
und wie sie bewegt hätten, darüber gibt´s nun noch ein Feedback. Wie gut sie aussehen,
die schönen, neuen, schwarzen Gürtel um acht KriegerInnenhüften - HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!
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