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Mikes und Raphaels Schwarzgurtprüfung vom 22.09.07 im Mandala Kassel Und
dann stehst Du da, und weißt gar nicht so recht was Du sagen sollst. Wie war es?
Erwartet wird wahrscheinlich ein "gut" oder "toll" oder "sau schwer". Doch bei
jedem Versuch dieses Ereignis zu beschreiben merke ich, dass ich es nicht so recht
zu fassen bekomme. Genau so geht es mir auch jetzt, wo ich diesen Artikel schreiben
will. Am ehesten passt wohl "Es war anders". Anders
als Mike und ich uns vorgestellt hatten, anders als die Zuschauer erwartet hatten
und vermutlich auch anders als die Prüfer erwarteten (wenn sie eine Erwartung
hatten). In der Zeit als ich mich gedanklich auf die Prüfung vorbereiten wollte,
habe ich versucht einige Schwarzgurtträger zu ihrer Prüfung zu befragen. Die Antworten,
wenn welche kamen, waren schleierhaft und oft von einem Grinsen begleitet. Was
ich damals als nette Gemeinheit abgetan habe, verstehe ich jetzt anders. Eine
detaillierte Antwort hätte in mir noch mehr irreführende Bilder entstehen lassen,
als ich ohnehin schon hatte. Als Mike und ich nun endlich den Prüfern Michael
Schmidt, Ulrich von Teubern, Henry Just und Sebastian Fawier gegenüberstanden,
meinte Mike zu mir: "Ich habe einen Puls von 263!" Da war ich schon nicht mehr
in der Lage zu beurteilen wie aufgeregt ich war. Wir wollten natürlich zeigen
was wir können, alles umsetzen, was wir uns vorgestellt hatten und zwar gut! Dann
hätten wir hinterher das Gefühl gehabt mit diesem Schwarzgurt als eine wohlverdiente
Trophäe für unsere Leistung nach Hause zu gehen. In dieser Erwartung steckte bereits
die erste, vielleicht sogar die eigentliche Aufgabe. Nach der ersten halben Stunde
deutete sich nämlich schon an, dass es anders laufen würde. Als mein Puls das
erste Mal die Richterskala nach oben verlassen hatte und meine Muskeln zitterten,
wurde mir klar, dass dieser Gürtel höchstens mit mir als Trophäe aus dem Dojo
gehen würde. So sehr wir etwas wollten in dieser Prüfung, so sehr hat es sich
uns entzogen. So kam es, dass Mike in seiner Lieblingsform den "Großen Kranich"
ein paar Mal stecken blieb oder ich beim Bruchtest fast daneben schlug. Sowohl
Mike als auch ich haben zwar diese Prüfung bestanden, aber tatsächlich wollte
sich das erwartete Gefühl von Erleichterung und Triumph nicht so recht einstellen.
Wir sind in dieser Grenzsituation mit einer Vielzahl von Themen und Baustellen
konfrontiert worden, die uns gezeigt haben, dass wir noch ganz am Anfang sind.
Jeder an seinem eigenen. Mir den Gürtel umzubinden fühlte sich wie der Beginn
einer "lebenslänglichen" Aufgabe an und flößte mir Demut ein. Dieser Gürtel wog
und wiegt auch jetzt im Moment für mich recht schwer. Ich wollte ihn - und jetzt
habe ich ihn - oder er mich. Es ist gut so - aber anders. Jetzt wo ich durch diese
Tür gegangen bin, beginnt für mich die Arbeit in die Tiefe und in die Leichtigkeit.
Weiter auf dem Weg zu mir und weg von Erwartungen und Vorstellungen. Mein Dank
gilt allen, die dazu beigetragen haben, dass Mike und ich diese wertvolle Erfahrung
machen durften. Besonders dankbar bin ich Michael und Ulrich, die uns sehr achtsam
durch die Prüfung begleitet und geführt haben.
Raphael Meiwes
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