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 Quan Dao Newsletter 12/2009
 ÜBERBLICK
 


» HERBST WIRD WINTER WIRD NEUJAHR
» FREITAG DER 13te, QUAN DAO PRÜFUNG IM BERLINER DOJO

» QUAN DAO PRÜFUNG IN BERLIN



 HERBST WIRD WINTER WIRD NEUJAHR
 

Geneigte Leser,

der letzte Newsletter in diesem Jahr, wir schauen kurz zurück: Im Februar Kampfkunst-Kongress, im Sommer Sommercamp, im Herbst Schwarzgurt-Prüfung, im Winter eine erste Neugestaltung der Website plus ein Social-Network-Auftritt bei Facebook. Dazu viele regionale Veranstaltungen, Prüfungen und Neuerungen. Nicht schlecht, oder?

Nur ein paar Worte, um diese Leistungen zu würdigen: Der Kongress hat uns Lehrer im Vorfeld viel beschäftigt, doch alle Mühe hat sich gelohnt. Wir haben ein neues Turnierkonzept ausprobiert, das nicht mehr den besten Kämpfer (und damit die Haltung Ich-gegen-Alle) belohnt, sondern den besten Kampf honoriert (und damit die Haltung Gemeinsam-zum-besten-Ergebnis). Wohlgemerkt, nicht den schönsten Kampf, sondern den besten. Im Austausch mit anderen Kampfkünsten haben wir alle dazu gelernt und sind mit neuen Erfahrungen bereichert worden.

Das Sommercamp hatte in diesem Jahr eine große Frische, die für jeden spürbar war. Zum ersten Mal gab es ein Fortgeschrittenentraining für Braun- und Schwarzgurte, das gut angekommen ist. Auch in den anderen Trainings haben die Teilnehmer viel lernen und erfahren können, und nicht nur ihren Bewegungsreichtum erweitert.

Im Herbst haben sich sechs Braungurte einer fast sechsstündigen Prüfung gestellt, und auch hier war spürbar, dass der Weg zur Quelle von der Lebendigkeit derjenigen lebt, die ihn gehen. Herzlichen Glückwunsch an die Dan-Träger!

Nun, kurz vor Jahresende, haben wir nun unser virtuelles Aussehen an die aktuelle Zeit angepasst, Videos eingefügt und Facebook mit einer Seite beehrt: http://www.facebook.com/pages/Berlin/Quan-Dao/213903552585
Meine Hoffnung ist groß, dass diese Veränderung unseren Austausch bereichern wird.

Ich persönlich freue mich sehr, dass Quan Dao so lebendig ist; dass Menschen Quan Dao bereichern und dass Quan Dao Menschen bereichert; und ich freue mich auf die Feiertage, denn die Ruhe kann ich brauchen.

Schöne Feiertage, und ein gesundes Neues Jahr!

Harald (auch im Namen des Newsletter-Teams)


Ankündigung I

Die Anmeldung für das Sommercamp hat ihre Tore weit geöffnet, und die erste Teilnehmerin steht auch schon fest. Ihr könnt Euch also spätestens ab jetzt für das Sommercamp anmelden, wir freuen uns auf Euch

Ankündigung II

Jahresabschluss in Berlin Für alle, die in Berlin sind: Am Freitag, 18.12. genießen wir ab 16.30 Uhr ein gemeinsames, offenes Training für alle Gruppen, und auch für Freunde und Interessierte. Anschließend machen wir noch einen gemeinsamen Filmabend, dableiben oder auch später kommen lohnt sich also auch.



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 FREITAG DER 13te, QUAN DAO PRÜFUNG IM BERLINER DOJO
 

Die zwölf Plätze auf der Anmeldeliste zur Prüfung waren schon zwei Wochen vor dem Termin ausgefüllt und dann, so bemerkte nicht nur Henry, wurden noch zwei weitere Namen unter die volle Liste gesetzt, also wollten vierzehn Personen einen oder einen höheren Grad im Quan Dao erwerben.

Am Freitag um viertel vor sieben traten dann die vierzehn Vereinsmitglieder an, um sich vom ersten bis zum fünften Grad, von Gelb- bis Braungurt, prüfen zu lassen. Fast die Hälfte von ihnen legte eine Prüfung zum ersten Grad ab. Es hat sich bei solch einer großen Runde bereits bewährt, die Gruppe zu teilen.

Zunächst zeigen die Erstanwärter ihre Übungen, dann alle, die einen höheren Grad erreichen wollen. Das Sparring wird, als Abschluss vor dem Bruchtest, dann wieder gemeinsam absolviert.

Als Teilnehmerin trat ich an, um den fünften Grad zu erreichen. Die Teilnahme an der Prüfung war für dieses Jahr fest von mir geplant worden. Im Januar überlegte ich bereits, wie ich mich vorbereiten kann, Konditionstraining schien mir vonnöten und Arbeit an meiner größten Herausforderung - der Atemmeditation. In meinem Kopf baute sich die Arbeit mit dem Atem zu einem regelrechten Hindernis auf. Ähnliches hatte ich bei der langen Tigerform erlebt. Diese, so glaubte ich lange, sei für mich nicht erlernbar.

Also Atemmeditation, das bedeutet Stehvermögen, zitternde Beine, die Unmöglichkeit nach Ende der Übung, die Beine wieder zusammen zu bekommen. Und die Übung forderte von mir, mich intensiv mit meinem Atem zu beschäftigen und dies bereitete mir noch mehr Sorgen als das Zittern. Das Konzentrierte, langsame Ein- und Ausatmen kollidierte immer wieder mit dem Bedürfnis von Tempo in mir. Schnelligkeit ist Spaß an Dynamik und Beweis für Reaktionsfähigkeit, und das fühlt sich potent an.

Und Tempo bedeutet weniger Raum, um die Bewegungen exakt und entschieden auszuführen. Mehr als einmal viel das Nicht-langsam-können nicht nur mir, sondern auch denen auf, mit denen ich trainiere. Die Atmung zu spüren und bewusst einzusetzen, damit habe ich auch in der langen Tiger-Form gekämpft.

Auch heute gelingt es mir nicht immer den Atem so mitzunehmen, dass ich ihn nicht in der ersten Hälfte bereits durch kräftiges Ausatmen im Raum verloren habe und der Tiger mich nach zwei Durchläufen erschöpft aus seinen Pranken gleiten lässt.

Der fünfte Grad, Braungurt, hat zum Thema Transformation. Die erlernten Übungen haben zu spürbaren Veränderungen in der Ausdruckskraft und Beherrschung der Grundformen geführt. Der Stock als Waffe ist zu einem Teil des Ausdrucksvermögens geworden und die Tierformen haben ein Eigenleben bekommen, bei jedem einzelnen steht eine andere Energie im Zentrum der Bewegungsabläufe und das sollte sich auch zeigen.

Im Quan Dao, wie ich es angehe, klappt es bei mir selten mit der rationalen Planung. Mein Lernen findet für mich oft unbewusst statt. Der lange Tiger war zum Beispiel eines Tages da. Ich konnte ihn leicht laufen und hätte schwören mögen, dass das eine Woche vorher noch nicht möglich war. Von da an war er keine Gefahr mehr. Ich habe mich mit ihm angefreundet. In meiner letzten Prüfung war dies das beherrschende Gefühl.

Ich hatte mich, und dies bemerkte ich erst während der Prüfung, mit den Formen angefreundet. Ich kämpfte nicht länger damit, die Abläufe einzelner Formen zu beherrschen, sondern sie waren zu einem Teil von mir geworden. Ich freute mich über das Gelernte und wusste, dass ich dies auch gut zum Ausdruck bringen konnte.

Die Energie floss und ich konnte viele Hindernisse beiseite schieben, die mich vorher blockiert hatten. Dies war ein richtiges Fest und erzeugte ein lang anhaltendes Hochgefühl. Die jetzige Prüfung hatte eine andere Energie. Meine Zweifel, dass ich den Grad erreichen könnte, waren im Laufe des Jahres wieder gewachsen und im November gab es nun die letzte Möglichkeit in diesem von mir anvisierten Jahr an einer Prüfung teilzunehmen.

Das Extra-Konditionstraining hatte nicht statt gefunden und zu allem Überfluss hatte ich mir eine schmerzhafte Prellung auf dem Spann des rechten Fuß, wenige Tage vor dem Termin, im Training zugezogen. Die Prüfung führte mich an meine Grenzen. Dies wäre auch mit ungeprelltem Fuß geschehen. Und das, was nach meiner Einschätzung am besten funktionierte, war der Teil, der mich mental am intensivsten beschäftigt hatte, die Atemmeditation.

Ohne unsäglich viel geübt zu haben, spürte ich die Energie in mir und konnte den Atem fließen lassen und mich dabei erden und meines Energiezentrums versichern. Mental, so fühlte ich, bin ich beim fünften Grad angekommen. Alles andere war körperliche Arbeit, mehr als ich mir vorgestellt hatte.

Nach der Hälfte der Prüfung trat, wie von mir erwartet, ein Energieloch auf, die Kondition schwächelte. An dieser Stelle half dann die Atemmeditation mich meiner noch vorhandenen Kraft zu versichern und ich ging spürbar erholt in das Sparring. Eines der für mich schönsten Erlebnisse war hier der Kampf mit Lilly.

Sie, die ebenfalls um den fünften Grad antrat, über vulkanische Energien verfügt, einige Jahre jünger ist und mir im Training oft unerreichbar in ihrer impulsiven Kraft erschien, traf sich mit mir zu einem Sparring, das in gutem Kontakt, fair und schön über die Bühne ging. Mit ihr kämpfte ich mit einer Mitstreiterin, die ich von Anfang an kenne und mit der ich gemeinsam, in unterschiedlichen Trainings, in meiner Zeit im Quan Dao Verein gewachsen bin.

Sich mit anderen gemeinsam im Prozess zu befinden, stärkt den eigenen Prozess. Quan Dao ist ohne diese Gegenseitigkeit, Gemeinsamkeit nicht denkbar. Der zweitschönste Augenblick war der Moment, als die Prüfer wieder in das Dojo traten und, wie ich mit einem Blick erkennen konnte, zwei braune Gürtel mitbrachten. Dem folgte die Ansage: Alle haben die Prüfung bestanden und ihren Grad erreicht. Die Schlappe im Bruchtest wurde daraufhin erstmal vergessen, da es ja auch nicht nur mir so gegangen war.

Letztendlich wurden an diesem Freitag, dem Dreizehnten, dreizehn Gürtel überreicht. Einer der vierzehn Prüflinge hatte recht schnell den Draht verloren und seinen Kampf frühzeitig eingestellt. Es bleibt das Gefühl in diesen Gürtel, mehr als in andere, hineinwachsen zu können. Um ihn mit Würde zu tragen, verlangt er von mir Einlassung und Achtsamkeit meiner Kondition, meiner körperlichen Leistungsfähigkeit, gegenüber.

Es war fast Mitternacht, als eine gestärkte Schar von Kämpfern auf die Straße hinaus trat und mit zufriedenen Gesichtern zum Feiern in ein nahe gelegenes Lokal schritt.

Kristin Möller

Zur bestandenen Gürtelprüfung gratulieren wir:

Kristin Möller (braun)
Lilli Mittendorf (braun)
Susanne Dupré (blau)
Susanne Schwarz (grün)
Barbara Klinker (grün)
Marlen Schertler (grün)
Stefan Utecht (orange)
Holger Ziefus (gelb)
Sven Wischnowsky (gelb)
Sandra Wegner (gelb)
Michael Kammholz (gelb)
Gesine Schmauder (gelb)
Claudia Lüken (gelb)
Alexandra Lange (gelb)


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 QUAN DAO PRÜFUNG IN BERLIN
 

Freitag, der 13. - ein Unglückstag? Danach sahen die 15 Prüflinge nach ihrer Quan Dao-Gürtelprüfung im Berliner Dojo ganz und gar nicht aus: es kamen nicht nur alle unbeschadet davon, sondern aus ihrer Gesichtern strahlten auch noch Freude und Erleichterung, (… die müden Glieder machten sich erst später bemerkbar). Deutlich und direkt sichtbar waren vor allem die neuen Gürtelfarben, die um ihre Bäuche leuchteten. Wie war es dazu gekommen? Was regte und bewegte sich während dieser etwa 3-stündigen Prüfung?

"Es gibt in dieser Prüfung nichts zu gewinnen und nichts zu verlieren. Vielmehr begegnet Ihr während der Bewegung Euch selbst und auch den anderen. Wir wünschen Euch eine gute Begegnung!", das waren die Eingangsworte von Henry, die den Leistungsstress erfolgreich herausnahmen und einen wohlwollenden Rahmen schafften ;) Doch wie füllten die 15 Prüflinge diesen Rahmen?

Sehr schnell schmolzen die Prüflinge scheinbar zu einer Person zusammen, das war vor allem am Anfang spürbar, als die Aufregung alle berauschte, die einen mehr die anderen weniger. Im großen Halbkreis absolvierte diese eine Person die Grundübungen der Kraft. Anschließend wurde sie geteilt: in eine mitfiebernde und eine vorführende Hälfte: die 7 angehenden Gelbgurte durchliefen ihr Programm der 1. und 2. Zwölf und verwandelten sich anschließend in eine Schar Tiger. Die Sitzenden beatmeten ihre Bewegungen. Dann waren die Buntbegürtelten an der Reihe mit dem gleichen Programm, nur eben noch erweitert um die 3. Zwölf und die langatmigen 6. Zwölf. Und zu den Tigern gesellten sich Schlangen, Drachen, Bären und Affen; und auch Kraniche und Flussadler erhoben ihre Flügel.

Stöcke kamen zum Einsatz: Kurze einfacher und zweifacher Art, sowie Lange bahnten sich ihren Weg. Ja, der innere Wunsch zu einer kurzen Pause kam bei Kristin und mir auf und genau in diesem Moment kam der Gong zur beatmeten Bewegung: der Atemmeditation, in der wir beide voller Genuss versanken und neue Kraft und eine besondere Ruhe schöpften.

Im direkten Dialog begegneten wir einander in der Partnerform und dann vor allem während des Fixed- Sparrings. Spätestens zu diesem Zeitpunkt waren alle gelockert, wenn auch die Unsicherheit darüber blieb, wie am besten den anderen auf die Matte befördern, bzw. eine absichtvolle Handlung "bis zum Ende" durchführen sollte. Umso mehr weckten blitzschnelle und klare Aktionen Freude und Erstaunen. Solche Aktionen kamen im anschließenden "unfixierten" Sparring dann zu ihrer vollen Entfaltung, wandelten sich in sehr individuelle Strategien beim Kampf mit zwei, drei oder vier Gegnerinnen und Gegnern. Wir hatten alle ziemlich viel Spaß am Kämpfen.

Als allerletzter Teil der Prüfung kam der Bruchtest. Toll war es das Zerteilen zahlreicher Berge durch die anderen Prüflinge mitzuverfolgen und ich freute mich auf meinen Stapel. Aber ich nahm mir zur Vorbereitung auf den Schlag keine Zeit. Die Ziegel antworteten entsprechend, mit halb so viel Konzentration und halben Kräften zersprang auch nur die Hälfte des Berges. Für einen Moment war ich enttäuscht, doch es war eine gute Lektion: sich Zeit zu nehmen mit dem Berg, ihn ernst zu nehmen in seiner vollen Größe.

Schließlich und endlich zog die Lehrerschaft sich zur Beratung zurück.

Ich konnte nicht sagen, ob meine Prüfung "gut" oder "schlecht" gewesen war. Es war als wäre ich selbst mit der Bewegung verschmolzen. Während der Prüfung gab es kein Gefühl, das ich nicht fühlte: Freudige Erleichterung empfand ich, als Kristin sich kurz vor der Prüfung doch entschied trotz ihrer Fußverletzung teilzunehmen und mich erfreute, dass mir liebe Menschen bei der Prüfung zuschauten. Als die Prüfung startete, befand ich mich in aufgeregter Zuversicht, die sich von einem kurzen Anflug von Angst über frühzeitige Erschöpfung in ruhige Gelassenheit wandelte. Traurigkeit und Wut nahmen sich ihren - wenn auch kleinen - Raum. Am Ende durchströmten mich Klarheit und eine tiefe Zufriedenheit über die Begegnung mit mir, meinen Wandlungen und Grenzen und über die Begegnung mit den anderen. Das gemeinsame Erleben war wunderschön.

Die Lehrer kamen zurück und mit ihnen diese lauter bunten Gürtel. So kam es zu dieser Geschichte.

Doch endete diese Geschichte nicht mit der Gürtelübergabe, genauso wenig wie sie mit der Prüfungsbegrüßung begonnen hat. Es ist nur ein Teil der Geschichte, der ein besonderer ist und der das gemeinsame Erleben von Wandlung zum Inhalt hatte. Dieser Wandel lässt sich weder festhalten noch bezwingen, doch es blieb die tiefe Gewissheit, dass sich alles wandeln lässt, wenn wir ihm nur den Raum dazu geben. Was intern bei jeder und jedem sich bewegte, lässt sich kaum mit Worten ausdrücken.

Was sich in Worte fassen lässt, ist der tiefe Dank, den wir gegenüber der Quan Dao-Lehrerschaft empfinden, die uns so toll auf unserem Pfaden begleiten. Habt herzlichen Dank für Eure Geduld, Euren wachen Geist und Eure Ermutigung! Und auch danke an die lieben Zuschauerinnen und Zuschauer und die in-Gedanken-mit-dabei-Gewesenen! Und wenn hier gerade Raum für Dank ist, so gilt dieser meiner auch allen anderen Prüflingen für die spannende gemeinsame Begegnung und Euren Kampfgeist!

Lilli Mittendorf


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